Sammlung, aber kein Sammler

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  • chris
    Registrierter Benutzer
    • 28.07.2004
    • 1

    #1

    Sammlung, aber kein Sammler

    Hallo,

    ich selbst bin kein Sammler, habe aber vor einiger Zeit eine umfangreiche Sammlung erhalten. Ich hatte eigentlich mit dem Gedanken gespielt, in die Welt der Philatelie einzusteigen, doch muss ich leider einsehen, dass meine Zeit nicht ausreicht.
    Daher meine Frage: Wie sollte man beim Verkauf einer Sammlung am besten vorgehen? Ist es ratsam, sich als Laie in die Haende von Auktionshaeusern zu begeben?

    Vielen Dank fuer Eure Hilfe,
    Chris
  • mn-

    #2
    Schwierige Frage....da würden mich vor allem die Meinungen der "alten Hasen" interessieren.

    Als "Neuling" kann ich Dir auch nicht allzuviel raten, insbesondere weil ich bisher noch nie an´s Verkaufen einer ganzen Sammlung dachte und auf unabsehbare Zeit dies auch nicht tun werde. Was ich allerdings die letzten Monate erfahren habe, ist, daß echte Raritäten (in den beliebteren Sammelgebieten) bei Auktionen sehr ordentliche Preise erzielen. Mittlere bis gute Werte nehmen auch gerne die Händler ab .... nur zahlen sie durchgehend unverschämt niedrige Preise (bei dem schrumpfenden Markt auch irgendwie verständlich). Die billigen Marken nimmt im Prinzip keiner mehr freiwillig an....mach ´mal ein Blick auf die e-bay Seiten.

    Du hast zwar schon geschrieben, daß Du Dich aus Zeitgründen nicht mit der Sammlung beschäftigen kannst. Ich glaube allerdings, daß gerade diese "Aufarbeitung" unumgänglich ist. Wenn wirklich nur 99% Massenware vorliegt, ist´s wahrscheinlich egal, auf welchem Weg (und teilweise auch zu welchem Preis) man die Sammlung los wird. Sollte jedoch die eine, oder andere Besonderheit in der Sammlung versteckt sein, könntest Du sehr viel Geld verlieren. Zeig´ die Sammlung lieber jemanden von einem Briefmarkenverein, bevor Du an´s Verkaufen denkst.

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    • Alfred Bulenz
      Registrierter Benutzer
      • 12.06.2003
      • 954

      #3
      ...also Chris:

      als erstes - beschreib mal die Sammlung oder mach ein paar Scanns...Abhängig davon kann man dir dann hier garantiert helfen.

      Als Faustregel vorab: Sammlungen Bund ohne die guten Marken (Posthorn, Heuss postfrisch) sind bei Auktionen kaum zu verkaufenn, bei Ebay auch nur zu geringem Wert. Hängt aber davon ab, was alles dazu gehört...

      Bleiben wir bei Bund: wenn da Randstücke, Viereblöcke, Formnummern...Ersttagsbriefe, Bedarfsbelege...dabei sind, sieht es schon wieder anders aus. die einfachen Marken wären dann zwar "Dreingabe" - aber der Rest sollte doch abnehmer zu fairem Preis finden...

      Aber zuerst: Beschreib mal!
      ...wir bringens rüber

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      • Lars Böttger
        www.arge-belux.de
        • 07.08.2003
        • 8417

        #4
        Am besten wirst Du Sammler

        Hallo Chris,

        können wir Dich vielleicht doch davon überzeugen, die Sammlung zu behalten? Briefmarkensammlen muss nicht teuer oder zeitaufwendig sein. Allerdings kann es schnell beides werden

        Briefmarken bzw. eine Sammlung verkaufen ist als Laie nicht einfach, da der Preis einer Marke von verschiedenen Faktoren bestimmt wird:

        1. Erhaltung: Der wichtigste Faktor, eine sehr gut gepflegte Sammlung erzielt oft Preise über dem Katalogwert, eine Sammlung mit sog. "Knochen" nur einen Bruchteil

        2. Angebot und Nachfrage: Generell gilt, dass für einen Grossteil aller jemals erschienen Marken (90%) noch nicht einmal 1 Euro gezahlt werden muss, um sie zu bekommen. Modernes Material, für mich ab 1875 ist oft Massenware und in vielen Sammlungen dutzendfach vorhanden. Seltene Stücke in guter Qualität sind immer gesucht und erzielen gute Preise. Ansonsten gibt es wohl auch bei Briefmarken ein "Sommerloch", im Winter sind mehr Sammler aktiv und die Preise besser.

        3. Auktionshäuser: Vorteil - Grosser und zahlungskräftiger Kundenkreis, Preise marktgerecht, Nachteil - relativ hohe Gebühren, evtl. längere Wartezeit auf das Geld, wird nicht alles verkauft, fängt die Arbeit von vorne an, Auswahl schwierig, da es auch hier Spezialisten und Generalisten gibt. Geeignet bei wirklich hochkarätigem Material.

        4. Händler: Vorteil - Geld sofort, nimmt alles ab, Nachteil - Preise niedriger als bei einem Auktionshaus, man muss mehrere Angebote einholen. Geeignet bei gutem, mittelpreisigen Material.

        5. eBay: Vorteil - Man kann (fast) alles verkaufen, Nachteil - sehr aufwendig, da alles selbst organisiert werden muss, hochwertiges Material erzielt oft keinen adäquaten Preis, ein gutes Profil ist Grundvoraussetzung für Erfolg und hohe philatelistische Sachkenntnis

        Fazit: Sammel am besten weiter!

        Beste Sammlergrüsse!

        Lars
        www.bdph.de und www.arge-belux.de

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        • katze52
          Deutschland, Schweiz, T+T
          • 19.11.2003
          • 445

          #5
          Hallo Du Nichtsammler,

          also mal im Ernst - wenn Du wirklich nichts damit anfangen kannst, so würde ich Dir als langjähriger Sammler und (hoffentlich) auch Kenner der Materie folgendes raten. Such Dir in Deinem Wohnort (oder nächstgrösseren Stadt) einen Fachhändler. Zeige ihm, ohne gleich Absichtserklärungen vorzugeben, die Sammlung und bitte ihn um Schätzung. Das machen schon viele seriöse Händler. Freilich nicht ganz uneigennützig, hoffen sie doch auf einen günstigen Erwerb. Macht man Dir dann ein Angebot, so nimm es nicht gleich an, sondern gehe zu einem ordentlichen Auktionshaus. Die wollen nämlich hauptsächlich hohe Provision und die erhalten Sie nur, wenn sie auch eine entsprechende Präsentation im Katalog abliefern. Besser ist es für einen Laien, die 20 % Provision zu zahlen als womöglich total über den Tisch gezogen zu werden.

          Natürlich freuen sich alte Philatelisten, wenn jemand neu hinzukommt, aber das können wir Forumler wohl nicht erwarten, wenn jemand ganz von vorne beginnen muss und keine "Zeit" hat??

          Überlege es Dir gut..aber geh nicht einfach auf den Flohmarkt oder zu Ebay. Ist in diesem Falle nicht das Richtige.

          Viel Erfolg und Grüsse

          Karl

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          • mn-

            #6
            Ach ja, noch ´was: poste einfach hier im Forum die URL zur Webseite Deiner Marken...mich interessiert immer, was andere Leute so gesammelt haben. Zur groben Eingrenzung reichen Bilder oft aus. Nachdem hier viele Spezialisten online sind, wird auch kaum eine Frage offen bleiben.

            Die "Feinarbeit", welche via Bildschirm natürlich nicht gemacht werden kann (Zähnung, Wasserzeichen, usw.) ist dann eine andere Sache. Aber ich wette mit Dir, daß Du in einem konkreten Verdachtsfall gerne das nötige Zubehör besorgen wirst und auch die Zeit zur Recherche aufbringst. Wie die anderen Forumsteilnehmer schon meinten: 90% des Materials ist meist uninteressant und diese Marken kannst Du links liegen lassen. Die restlichen 10% werden schon nicht allzuviel Zeit kosten und sind zudem sicher spannend zum genauen Untersuchen.

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            • SaschJohn

              #7
              Hi Chris
              ich schließ mich mal Deckelmouks Meinung an. Die erste Frage für Dich sollte sein ob du keine Lust...oder keine Zeit hast Dich um die Briefmarken zu kümmern. Ich bin auch Neuling und war erstmal in einen Rausch verfallen innerhalb weniger Wochen das zu haben wofür andere 40 Jahre brauchten.
              Ich find es toll mit Briefmarken und Briefen bzw. Karten die Deutsche Geschichte darzustellen, hab aber gemerkt dass es mir viel weniger um Wasserzeichen, korrekte Zähne, Zahnungsschlüßel und Varianten geht...und um den Wert schon gar nicht. So ist es für mich ein relaxtes Hobby zur Entspannung geworden und das obwohl ich keine Zeit hab ;O)...Lass sie einfach im Schrank und wenn du mal mehr Zeit hast...dann musst du wenigstens nicht von vorne anfangen...übrigens 90% ist Massenware stimmt zwar, aber wer von vorne anfängt, wie ich, muss diese 90% erstmal haben

              Kommentar

              • ralph
                D 45/49, Eire, RhB, Dernb
                • 12.02.2004
                • 701

                #8
                Nichts überstürzen

                Hallo Chris,

                Du schreibst Du hast nicht genug Zeit für die umfangreiche Sammlung. Ich würde Dir - im Einklang mit meinen Vorschreibern dazu raten, nicht schnell alles zu verkaufen. Schau Dir die Sachen an, vielleicht entdeckst Du ja ein kleines Teilgebiet, das Dir gefällt. Schöne Sammlungen müssen ja nicht immer 100 Alben umfassen. Was weg ist ist weg. Hier im Forum versuchen wir nämlich auch "Noch-Nicht-Sammler" mit dem gefährlichen Philatelie-Bazillus anzustecken. Hinsichtlich der Verkaufsmöglichkeiten steht alles Wesentliche bereits in den anderen Antworten.

                Grüße
                Ralph
                Viele Grüße aus Berlin, Ralph

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                • rimaphil
                  Registrierter Benutzer
                  • 07.06.2004
                  • 10

                  #9
                  Leidensgenosse (z.T.)

                  Sammlung, aber kein Sammler
                  --------------------------------------


                  Hallo Chris und die Anderen,

                  mir ging es ähnlich wie Chris. Als mir meine Tante den Koffer mit den Marken meines längst verblichenen Onkels gab, hielt ich mich erst mal an ihre Anweisung: stehend lagern bei 50% Luftfeuchte. Ansonsten hatte ich ebenso keine Zeit und lagerte die Marken atombombensicher für 100 Märker im Monat im Hauptsafe einer Frankfurter Bank ein, versiegelt mit Vertrag und Versicherungspolice. So gründlich war ich damals, weil meine Tante es mir krumm genommen hätte, wenn ich die Marken in den Kartoffelkeller oder auf den Speicher gestellt hätte. Sie waren ja angeblich sehr viel wert.

                  Diese 100 Märker habe ich fast 20 Jahre lang bezahlt (war ich ein Idiot?) und die Tante lebt auch nicht mehr. Aber ich habe inzwischen mehr Zeit. Habe die Dinger also aus dem Supersafe geholt und erst mal gelüftet. Sollte man eigentlich öfters machen, aber da mein Onkel ein absoluter Spezialist war, haben nur ganz wenige Dubletten (in kleinen Schächtelchen verpackt, nicht in Katalogen) Schaden genommen.

                  Da stand ich also nun, auch mit altem Zubehör bestückt und vielen historischen Hinweisen auf die Aktivitäten des Onkels, der auch Entwürfe von Marken machte, dafür ausgezeichnet wurde, ja sogar Kataloge mitgestaltete, und dies alles vor 1950. Sogar Litho-Steine von Kathalogseiten habe ich noch im Keller.

                  Irgendwann mal also vertiefte ich mich in diese gezackten Bildchen; er sammelte meist postfrisch, weshalb ich keine Hinweise (bzw. selten) auf Jahrgänge hatte. Kataloge fand ich auch, den Europa 1. Teil von Michel aus dem Jahr 1944/45 z.B. noch ein schöner Schwan im dunkelbraunen Dreieck als Logo vorne drauf, da waren die noch in Leipzig.

                  Es gibt 2 Hauptsammlungen (Alt-Österreich und Deutsches Reich), die ich schon an den Katalogen erkannte. Nun war mein Onkel also graphisch wie kunsthandwerklich sehr bewandert: die Kataloge sind handgemacht und in feinster Schrift von ihm kommentiert. Ein gewisser F. aus Wien hat sich mal für 1 Stunde die Sammlung angesehen (das hat er sogar kostenlos gemacht, dieser Guru). Und nun tat er etwas, wovon mir meine Tante stets abgeraten hat (weil ihr das mein Onkel als Vermächtnis hinterlassen hat: Gebe NIE die Marken aus der Hand!). Die Marken hat er sehr vage zwischen einer Mindest- und Höchstmarke geschätzt und wollte sie gleich dabehalten, er hätte da einen Interessenten. ALARMGLOCKE AN, trotz bester Reputation des Mannes. Ich hatte aber meiner Tante dieses Versprechen gegeben, also sagte ich: Geht nicht, ich habe anschließend noch einen Termin, was gelogen war. Allerdings sagte mir später ein alter Hase: Ich weiß schon, wer die Marken haben wollte.... er selbst!

                  Mit der DR-Sammlung war ich in Frankfurt bei einem Prüfer, der auch bei einem bekannten Auktionshaus als freier Mitarbeiter mitmacht. Ich kam abends um 20 Uhr hin, es wurde zwischen vielen Telefonaten ca. 2 Stunden die Sammlung überflogen. Auch er war begeistert, will die Sammlung freilich in die Weihnachtsauktion reinnehmen, bittet aber am die Testate der Spitzenwerte, weil das in Auktionen nicht anders geht. Wir haben in Kürze einen 2. Termin. Zu keinem Zeitpunkt hat er mich um das Überlassen der Marken gebeten: Keine Alarmglocke.

                  Da sind aber noch diese unzähligen Marken in Schächtelchen, alle fein säuberlich mit Trennpapieren vesehen, damit nichts ankleben kann (die meisten habe ich schon entpackt und nach Eigenmethode gelagert und sortiert). Und mit denen habe ich zunächst mal auf Tauschbörsen und Tauschtagen begonnen, hatte total kein Ahnung, wurde sicher auch ein paarmal über den Tisch gezogen, und mache jetzt ganz zaghaft auch mal Ebay. Belege, Ganzsachen sind ja auch noch da.

                  Ich musste mich da also reinknien. Als Selbständiger weiß ich: wenn Du von nix ne Ahnung hast, wirst Du beschissen. Zum Herbst hin werde ich mich noch tiefer reinknien und wieder Tauschtage an den Wochenenden besuchen, die DR-Sammlung gebe ich vermutlich dem Auktionshaus und riskiere eben die 15% (von 20% war nicht die Rede).

                  Alt-Österreich werde ich vermutlich vorläufig behalten, weil da eben das Herzblut meines Onkels dran klebt. Ich habe Respekt vor diesen "Bildchen", vor allen Dingen aber der handwerklich perfekten Präsentation in den selbsterstellten Alben.

                  Chris, wenn Deine Sammlung was taugt, wird Dir ein Berater des Auktionshauses das auch sagen, weil die ja von der Provision leben. Insofern ist die Wahl eines Auktionshauses richtig, was die Vermarktung angeht.
                  Wenn aber die Sammlung wie bei mir aus mehreren Teilen bestehen sollte, überlege Dir gut, ob nicht

                  DIE AKTIE DES KLEINEN MANNES (so wurden Marken früher genannt)

                  auch was zum Aufbewahren ist. Meiner Ansicht nach sollten Briefmarken in Zeiten der Staatsgeierei nach den letzten Reserven der Bürger wieder an Wert gewinnen, jedenfalls die 10%, von denen weiter oben die Rede ist. Wenn ich bedenke, wie klein und relativ unproblematisch Marken aufzubewahren sind (im Gegensatz zu Teddybären z.B.), dann nehme ich auch an, dass diese Möglichkeit andere Nichtsammler auch schon erkannt haben und Briefmarken als Wertanlage akzeptieren.

                  Wenn sich diese Akzeptanz durchsetzt und entsprechend von den philatelistischen Medien beworben wird, müssten wir uns eigentlich keine Gedanken über Angebot und Nachfrage von Marken machen; die Nachfrage muss steigen!


                  Noch einen schönen Sonntag
                  von rimaphil

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                  • mn-

                    #10
                    Alt-Österreich ??? Da leuten auch bei mir die "Sammelgebiet-Alarmglocken" ....

                    Keine Angst, ich will Dir nichts abkaufen versuchen....aber interessieren tät´s mich schon sehr, was da für Schätze in der Sammlung verborgen sind, welche immerhin 100 D-Mark monatlich über 20 Jahre wert waren.

                    Kannst Du ´mal beschreiben, oder vielleicht sogar fotographieren und hier posten?

                    Zinoberrote Merkure ?


                    Tokayer Liniendurchstiche ?


                    1850er Kreuzer mit Andreaskreuzen ?


                    hmmm...da gäb´s schöne Sachen....

                    ----------------------------------------------------------------------------------------

                    Ich muß immer wieder diese URL besuchen;



                    ... eine Augenweide, was die Fam. Jerger zusammengetragen hat.



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