Bleisulfidschäden - Betroffene Marken/Abhilfe

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  • heku
    Registrierter Benutzer
    • 05.08.2005
    • 364

    #91
    Hallo,

    Ich betrachte die Behandlung solcher Schäden mit Wasserstoffperoxid als kritisch.

    Bleisulfidschäden sind nicht neu. Sie sind bekannt von Decken- und Wandmalereien, sowie von Gemälden, bei denen die preiswertere Bleifarbe benutzt wurde. Durch die Behandlung mit Wasserstoffperoxid konnten verfärbte, ehemals weiße Flächen, wieder in Weiß zurückverwandelt werden.

    Der Haken: Die Verfärbung wird nicht einfach rückgängig gemacht, sondern in einer chemischen Reaktion entsteht ein völlig neuer Stoff, nämlich das weiße Bleisulfat.

    Auf eine farbige Briefmarke angewendet heißt das: die Bleisulfidschicht wird aufgelöst, das entstandene weiße Bleisulfat, wenn man Glück hat, weggespült, und die darunter liegende originale Farbschicht freigelegt. Infolge der chemischen Reaktion wird die freigelegte Farbschicht aktiviert, d. h. sie neigt stärker als vorher zum Nachdunkeln. Von Behandlung zu Behandlung wird diese Farbschicht immer dünner, bis nichts mehr da ist.

    Ist bei starker Schädigung die originale Farbschicht komplett in Bleisulfid umgewandelt, gibt es nichts mehr zum Freilegen, die Marke wird durch die Wasserstoffperoxidbehandlung zur Ruine.

    Wie stark die Schädigung ist , ist vorher nicht erkennbar. Ob eine farbfrische Marke zum Vorschein kommt oder eine kaputtreparierte, ist nicht vorhersehbar. Zu mindestens bei teureren Stücken rate ich von einer solchen Reinigung ab.

    Hinzu kommt, dass Wasserstoffperoxid ein ausgesprochenes Bleichmittel ist. Braucht die Behandlung längere Zeit, so wird die gesamte Papierstruktur aufgehellt, im Extremfall bis hin zu blütenweiß.

    Meine (wenigen) betroffenen Exemplare lasse ich lieber wie sie sind.

    Freundliche Sammlergrüße
    Hermann
    Ich ärgere mich nicht über das, was mir fehlt. Ich freue mich über die Marken, die ich besitze.

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    • Oisch
      Registrierter Benutzer
      • 09.09.2007
      • 31

      #92
      @heku

      D'accord

      die sinngemäß gleiche Einschätzung der Wasserstoffperoxidmethode habe ich auch heute nachmittag in einem anderen - ebenfalls sehr empfehlenswerten Forum (www.philaforum.com) - unter der Rubrik Bleisulfidschäden gepostet.

      Nachstehend meine dort angeführten Argumente, die im wesentlichen mit Deinen konform gehen:

      1.) Man sollte keine Wunder von der Methode erwarten. Mitentscheidend für den Erfolg ist sicherlich die Ausgangslage, sprich die Vorschädigung der Marke. Auch lässt sich die Behandlung nicht beliebig oft wiederholen, da ja die Originalfarbe nicht wiederhergestellt, sondern lediglich das schwarze Bleisulfid in farbloses Bleisulfat umgewandelt wird.

      2.) Die Behandlung schützt nicht vor künftigen Schäden, d.h. macht nur Sinn wenn anschließend der Aufbewahrungsort gewechselt wird, also nicht wieder unter PVC-Folie stecken.

      3.) "Viel hilft nicht unbedingt immer viel"
      Also mit möglichst verdünnter Wasserstoffperoxidlösung arbeiten (3 % erscheint mir persönlich als Obergrenze), und lieber mehrere Kurzzeitbehandlungen mit Zwischenwässern und Erfolgskontrolle als einmal zu lange gequält und ausgebleicht.

      4.) An billigen oder defekten Stücken üben. Bei teuren Exemplaren oder kompletten Belegen, Ganzsachen sollte man sich an einen professionellen Restaurator wenden.
      Letztendlich muß jeder selbst die Entscheidung treffen. In dem von mir gezeigten Fall bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
      Ein anderer mag die Marke als "repariert", "manipuliert", "chemisch verändert" oder wie sonst man das bezeichnen mag, ablehnen. Für mich persönlich sieht sie zumindestens wieder ansehnlicher aus als vorher und kommt zurück in die Sammlung.

      Inwieweit derartig behandelte Marken anfälliger gegen erneutes "Nachdunkeln" sind, kann ich (noch) nicht beurteilen. Bei sachgerechter Aufbewahrung - im vorliegenden Fall unter Hawid-Klemmtasche - bin ich optimistisch (schaun 'mer 'mal)

      Viele Grüße

      Oisch

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      • Fehldruck
        Registrierter Benutzer
        • 30.05.2004
        • 3826

        #93
        Die fünf Mädels eines Briefmarken-"Restauratoren" haben die Testreihe schon in die Praxis übergeleitet:



        So ist die Wirtschaft...manche streiten noch über Zusammenhänge...andere verdienen schon Kohle mit Ergebnissen der bestrittenen Zusammenhänge.

        Fehldruck
        Zuletzt geändert von Fehldruck; 14.04.2008, 07:08.

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        • heku
          Registrierter Benutzer
          • 05.08.2005
          • 364

          #94
          Hallo,

          Wir wissen ja, dass es geht. Im wässrigen Medium allerdings nicht nebenwirkungsfrei (Bleiwirkung).
          Wollte ich mit der Reinigung Kohle machen, ich würde meine Behandlungssubstanz in eine Paste einbinden. In trockenem Zustand könnte ich so unter der Stereolupe mit feinem Werkzeug nur die betroffenen Stellen behandeln, der Rest der Briefmarke bliebe unverändert.

          Mein Behandlungsversuch (Preussen, Mi-Nr. 15) mit 3% Wasserstoffperoxidlösung blieb erfolglos. Im Bild links vor, rechts nach der Behandlung. Die Bleisulfidschäden oben und rechts sind nach 60-minütiger (!) Einwirkungsdauer geblieben. Die Marke ist unnatürlich hell geworden.

          Dass die Reinigung manchmal gelingt, manchmal nicht, ist für mich nicht plausibel. Die Umwandlung von Bleisulfid ist eine simple chemische Reaktion. Sie sollte entweder immer funktionieren oder gar nicht.

          Für mich gibt es zwei mögliche Schlussfolgerungen:

          a) bei den erfolglosen Versuchen handelt es sich nicht um Bleisulfid, sondern um eine ganz andere Substanz
          b) die erfolglos behandelten Marken weisen eine Gemeinsamkeit auf, die sie von den erfolgreich behandelten unterscheidet

          Einige hier haben eigene Versuche durchgeführt. Könnt ihr eure Misserfolge hier einstellen, oder zu mindestens beschreiben, was passiert ist, bzw. was nicht passiert ist. Für mich besonders interessant ist die Frage, ob ihr die Schäden (subjektiv) für in jüngerer Zeit entstanden anseht, oder um Uraltschäden.

          Vielen Dank und viele Grüße
          Hermann
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          Ich ärgere mich nicht über das, was mir fehlt. Ich freue mich über die Marken, die ich besitze.

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          • Bill
            Registrierter Benutzer
            • 14.07.2003
            • 1135

            #95
            Zitat von Fehldruck
            Die fünf Mädels eines Briefmarken-"Restauratoren" haben die Testreihe schon in die Praxis übergeleitet:
            Blonde Mädels kennen sich halt mit Wasserstoffperoxidlösungen aus.

            Bill

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            • Juergen Kraft
              Registrierter Benutzer
              • 30.11.2005
              • 1747

              #96
              Ich bin nicht blond und schaffe es trotzdem, hier ein weiteres Beispiel ohne Ausbleichen oder Auflösung der Druckfarbe.

              Weshalb das oben gezeigte Beispiel so mißlungen ist kann ich nicht sagen. Möglicherweise wurde die Marke schon einmal früher mit ungeeigneten Mitteln behandelt. Mir scheint, die Marke war auch länger UV-Strahlung ausgesetzt. Die Marke war vorher schon ziemlich verblasst. Nach der UV-Licht "Einbrennlackierung" war wohl nichts mehr zu retten.
              Zuletzt geändert von Juergen Kraft; 14.04.2008, 13:53.
              Jürgen Kraft, Apt. 17, 38612 El Medano, Tenerife-Sur - Spanien
              Projekt Stempeldatenbank, Stampswiki, Linkdatenbank
              Mitglied BDPH, AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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              • Deutschlandsammler
                Registrierter Benutzer
                • 27.08.2006
                • 170

                #97
                Alle Achtung! Das Ergebnis ist beeindruckend. Lässt sich die Reinigung nachweisen? Nicht das die Marke als repariert/verfälscht angesehen wird und nach der Prozedur noch weniger wert ist.

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                • Peter Feuser
                  Registrierter Benutzer
                  • 28.12.2007
                  • 139

                  #98
                  Jürgen, es klappt mal und mal nicht! Und es dürfte nicht von Dauer sein. Das sagen die "wissenschaftlichen" Archivare und Papierspezialisten. Das Mittel greift sowohl Papier als auch die Farbe an.

                  Das beste Beispiel dafür ist Dein Posting (Link oben) vom 11.1.2008, 16.12 Uhr, mit einer behandelten Preußen 1. Das Papier ist nach der Behandlung gebleicht und die Druckfarbe ist an etlichen Stellen eindeutig verloren gegangen.

                  Das beste ist, Bleisulfidschäden von Anfang an zu vermeiden und da sage ich Dir nochmals danke für Deine Unterstützung!

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                  • Lars Böttger
                    www.arge-belux.de
                    • 07.08.2003
                    • 8417

                    #99
                    Zitat von Deutschlandsammler
                    Alle Achtung! Das Ergebnis ist beeindruckend. Lässt sich die Reinigung nachweisen? Nicht das die Marke als repariert/verfälscht angesehen wird und nach der Prozedur noch weniger wert ist.
                    @deutschlandsammler:

                    M.W. ja, d.h. sie wird erhöht geprüft bzw. in Befunden/Attesten kommt ein Vermerk "gereinigt".

                    Beste Sammlergrüsse!

                    Lars
                    www.bdph.de und www.arge-belux.de

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                    • Juergen Kraft
                      Registrierter Benutzer
                      • 30.11.2005
                      • 1747

                      #100
                      Hallo Peter,

                      es stimmt, mal geht es besser, mal geht es schlechter. Ich nehme 3% Lösung und ich wässere die Marke vorher und nachher in sauberem Wasser (durch Aktivkohle gefiltert) das stark im alkalischen Bereich liegt. Es gab die Verfärbungen ja auch schon früher und ich habe Marke vor 30 Jahren schon so behandelt. Ich bin mir sicher, davon hat sich keine zurück verfärbt. Ich habe diese Marken aber auch alle in einem dafür perfekt geeigneten Album aufbewahrt. So ein kleines Luxusalbum, sicher 50 Jahre alt. Wenn du das Album aufschlägst, denkst du es hätte jemand die Marken mit Farbverstärker "extra grell" behandelt. Es hat einen grünen Leineneinband und eine Goldprägung, ist Pergamin mit Pergamin Zwischenblättern. Es kommt nicht ans Licht und Kunststoff haben die Marken auch noch nicht gesehen. Im halbdunklen fotografiert sieht es auf einer Seite so aus (diese Marken haben natürlich noch nie Wasser gesehen)



                      Am 6. 2. hatte ich auch den Spendenaufruf für eine Gerichtskostenunterstützung gemacht. Seither hat jeder wieder etwas Geld sammeln können. Ich habe heute wieder etwas überwiesen. Dabei ist noch der Anteil eines Dritten Spenders, der auf eine Zahlung zugunsten der Unterstützung von Peter Feuser verzichtet hat.
                      Jürgen Kraft, Apt. 17, 38612 El Medano, Tenerife-Sur - Spanien
                      Projekt Stempeldatenbank, Stampswiki, Linkdatenbank
                      Mitglied BDPH, AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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                      • Juergen Kraft
                        Registrierter Benutzer
                        • 30.11.2005
                        • 1747

                        #101
                        Zitat von deckelmouk
                        @deutschlandsammler:
                        M.W. ja, d.h. sie wird erhöht geprüft bzw. in Befunden/Attesten kommt ein Vermerk "gereinigt". Beste Sammlergrüsse! Lars
                        Hallo Lars,

                        wenn man es sieht, wird es vermerkt. Völlig richtig.
                        Jürgen Kraft, Apt. 17, 38612 El Medano, Tenerife-Sur - Spanien
                        Projekt Stempeldatenbank, Stampswiki, Linkdatenbank
                        Mitglied BDPH, AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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                        • Fehldruck
                          Registrierter Benutzer
                          • 30.05.2004
                          • 3826

                          #102
                          Ich mach dann mal mit der Galerie des Grauens weiter.

                          Norddeutscher Bund Mi 8 auf Brief und falsch gelagert und dazu kopfüber sieht man die Vergleichsmarke.

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                          Zuletzt geändert von Fehldruck; 18.04.2008, 10:20.

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                          • Fehldruck
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                            • 30.05.2004
                            • 3826

                            #103
                            Hier noch eine NDP Mi Nr. 8 in einer 12 Kreuzer Frankatur mit Vergleichsmarke.

                            Fehldruck
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                              • 30.05.2004
                              • 3826

                              #104
                              Auch Ganzsachen sind betroffen!!!

                              Hier der Ganzsachenumschlag Sachsen Mi U15.

                              Ein Vergleichsstück braucht man hier nicht mehr---es kommen gleich die Tränen. Im Michel steht orange.

                              Fehldruck
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                                • 30.05.2004
                                • 3826

                                #105
                                Nachdem bei den oben gezeigten Stücken von orange zu braun gelagert wurde...hier nun eine Ganzsache Preußen Mi U25 braun zu einer ganz anderen Farbe. Zuerst zeige ich die Originalfarbe.

                                Fehldruck
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