Wenn dies Ihr erster Besuch hier ist,
lesen Sie bitte zuerst die Hilfe - Häufig gestellte Fragen
durch. Sie müssen sich vermutlich registrieren,
bevor Sie Beiträge verfassen können. Klicken Sie oben auf 'Registrieren', um den Registrierungsprozess zu
starten. Sie können auch jetzt schon Beiträge lesen. Suchen Sie sich einfach das Forum aus, das Sie am meisten
interessiert.
Es ist mir und vielen anderen völlig klar dass es für fast alles Infoseiten im WWW gibt. Aber, Spezialsiten leisten mehr sagte man bei mir im beruflichen Leben, und kaum jemand ist ein Universalgenie und kann (oder aus Zeitmangel "will") sich alles aneignen, da ist es oft besser um Hilfe zu fragen..., ist halt "geben und nehmen"
Mitglied bei:
BDPh, DASV, APS, RPSL (FRSPL), SG-Lateinamerika, India Study Circle, FG Indien, AROS, NTPSC, ONEPS, COPAPHIL etc...
Ich habe einen Brief von 1849 von Baghdad nach Aleppo bekommen. Dazu folgende Fragen:
Wer kann den Absender und die Adresse "entziffern", dazu habe ich einen kleinen Teil des Briefes selbst hier eingestellt. Wer erkennt die Sprache? Ist es Lateinisch oder Italienisch? Das ist mir wichtig damit ich eine passende Person zur Abschrift und eventuellen Übersetzung fnden kann?
Absender:
Empfänger:
Textteil:
Mitglied bei:
BDPh, DASV, APS, RPSL (FRSPL), SG-Lateinamerika, India Study Circle, FG Indien, AROS, NTPSC, ONEPS, COPAPHIL etc...
Ich fange mal mit der Transskription an und übersetze Satz für Satz, es wird allerdings ein wenig dauern, bis alles vollständig ist.
Ill.mo Sig. Viceconsule An den Ehrwürdigsten Herrn Vizekonsul
Da Diarbechir io la informai di quel tratto di viaggio di già fatto con una mia, che spero sarà venuta nelle di lei mani, e cosi con questa intendo di ragguagliarla del restante, colla maxima brevità che il foglio, ed il tempo mi permettà .
Aus Diyarbakir (heutige Schreibweise) informierte ich Sie über jenen Reiseabschnitt ... von der ich hoffe, dass sie in Ihre Hände gekkommen ist, und mit solch einer habe ich vor. mit der maximalen Kürze, die das Blatt Papier und die Zeit mir erlauben, sie über den Rest zu informieren.
Partii adunque sul kelek ??? fiume Tigri dalla sud.ta città li 7 10.bre colla speranza, che non avrebbe più a tornar la febbre terzana, ma non andò ???, che ella mi saltò di bel nuovo adosso e non mi lasciò fino a Mossul dove per la premura, e massima cura de RR. PP. Domenicani io mi ristabilii perfettamente. (Anm.: 1) Ein Kelek ist ein uraltes Flussgefährt auf Euphrat und Tigris , eine Art Mischung aus Floß und Schlauchboot. Näheres findet sich zB hier https://cdnc.ucr.edu/?a=d&d=MG191606...-txIN--------1; 2) RR.PP. steht für Reverendi Padri) Ich bin also ??? Fluss Tigris am 7. Oktober mit der Hoffnung weggefahren, dass das Dengue-Fiever nicht mehr wiederkommen würde, aber es ist ??? gegangen, dass es mich von Neuem auf den Leib gesprungen ist und mich bis Mossul nicht losgelassen hat, wo ich mich durch Pflege und Aufmerksamkeit der ehrenwerten Dominikanerbrüder wieder vollständig erholt habe.
Intanto da Diarbechir a Mossul impiegammo 19 giorni costretto a passarmi tutta la giornata inchiodato su d'un angolo di detto kelek, e la notte passarmela pure su di esso allo scoperto esposto a tutte le intemperie della staggione fredda: ben rare volte ebbi la sorte di dormir al coperto nelle case degli Arabi perchè rare erano le volte che si fermavano vicino a qualche paese che fosse al fiume stesso. Währenddessen haben wir von Diyarbakir nach Mossul 19 Tage gebraucht, die ich den ganzen Tag an eine Ecke des besagten Kelek gefesselt verbringen musste und die Nacht ??? allen Unbillen der kalten Jahreszeit ausgesetzt; arg selten hatte ich das Los, unter einem Dach in den Häusern der Araber zu schlafen weil die Male selten waren, bei denen sie in der Nähe irgendeines Dorfs anhielten, das an besagtem Fluss lag.
Men (ich vermute, gemeint ist meno) tempo avressimo impiegato se vi (ich denke mal, das müsste ci heißen) fosse stata abbondanza di aqua nel fiume, e gli uomini che rimigavano fossero stati più diligenti, e prattici. Wir hätten weniger Zeit gebraucht wenn genug Wasser im Fluss gewesen wäre und wenn die Männer, die ruderten (Anm. remigare heißt eigentlich mit den Flügeln schlagen, aber geflogen wurde 1849 wohl eher nicht) , sorgfältiger und praktischer gewesen wären.
La notte del Natale, che speravo farla a Mossul, l'ho dovuto passar così all'aperto cielo in mezzo al Tigri, perchè il chelek (Anm.: jetzt anders geschrieben, Italiener mögen den Buchstaben K einfach nicht) era stato trasportato dalla corrente in mezzo ai sassi, e non si potè levar di li, se non a chiaro giorno. Die Weihnacht, die ich in Mossul gehofft hatte zu erleben, habe ich unter freiem Himmel inmitten des Tigris verbringen müssen, weil der Kelek vom Strom inmitten von Steinen getrieben worden war und von dort erst bei hellichtem Tag entfernt werden konnte.
Dopo una dimora di 11 giorni in Mossul fra i PP. Domenicani dei quali ogni forrestiere è dovere ne dica un mondo di bene per la sincera, e cordiale ospitalità , che usano verso di esso, io mi partii sull'istesso genere di barca, avviandosi verso Bagdad, e col favore della abbondanza di aqua che scorreva nel fiume, e della luna chi rischiarava di notte, nel breve spazio di 5 giorni mi trovai a Bagdad abbracciando la mattina del 11 gennaio il P. Agostino da sorso nostro sardo lapu[??]no. Nach einem Aufenthalt von 11 Tagen in Mossul bei den Dominikanerpatres von denen ich eine Unmenge Gutes sagen muss für ihre ihre aufrichtige und herzliche Gastlichkeit die sie gegenüber jeglichem Fremden üben, bin ich auf demselben Bootstyp Richtung Bagdad gefahren, und mit der Gunst großer Wassermenge, die den Fluss entlangströmte und des Monds, der nachts schien, habe ich mich innerhalb des kurzen Zeitraums von 5 Tagen in Bagdad eingefunden und am Morgen des 11. Januar den Pater Agostino aus Sorso, unseren Sarden ???, umarmt.
Della sua integerimma condotta, e del bene che ha fatto in Bagdad le dirò nulla per non dir poco, basta che io le dica che egli parte per ordine de suoi superiori per codeste parti della Doria (??) lasciando un gran desiderio di se in Bagdad, e parte con aver raccolto un frutto che ordinariamente non raccoltero altri missionarii in codesto luogo. Von seinem überaus untadeligem Verhalten und von den Wohltaten, die er in Bagdad getan hat, werde ich Ihnen nichts berichten, um nicht zu wenig zu sagen, es genügt, dass ich Ihnen sage, dass er auf Anordnung seiner Oberen in besagte Teile von Doria (?) abreist, wobei er eine große Sehnsicht nach ihm in Bagdad hinterlässt, und er fährt, nachdem er eine Frucht geerntet hat, die andere Missionare normalerweise an besagtem Ort nicht ernten.
Egli lasciò Bagdad li 7 corrente avviandosi a Mossul dove si fermerà probabilmente fino a Pasqua. Er hat Bagdad am 7. des laufenden (Anm.: Monats, denke ich) verlassen und sich Richtung Mossul auf den Weg gemacht, wo er wahrscheinlich bis Ostern bleiben wird.
Io intanto mi resto solo soletto applicato allo studio della lingua araba per levarmi dalla molestia della solitudine col mettermi quando Iddio voglia a contatto di quello che lui affidammi. Grazie a Dio io continuo in salute. Mir hingegen bleibt mutterseelenallein, mich dem Studium der arabischen Sprache zu widmen, um mich von der Last der Einsamkeit zu erheben, wenn der Herrgott es will, und mich in Verbindung mit demjenigen zu setzen, die er mir anvertraut. (Anm. Mir ist nicht ganz klar, wie das gemeint ist) Gott sei Dank mache ich in guter Gesundheit weiter.
M'approfitto di quella generosa esibizione, che mi fece allorchè godeva costi la gradita compagnia di V.S. che in qualunque occorenza mi pravalessi (Anm.: das muss m.E. prevalessi heißen) pure. Ich nutze diese großzügige Darbietung, die Sie mir gemacht habe, als ich dort Ihre geschätzte Gesellschaft genoss, die für mich auf jeden Fall doch überwogen hätte. (Anm.: Mir ist nicht ganz klar, was hier gemeint ist.)
Io le ringrazio di quello, e di quel tanto che fece per me, anticipando i ringraziamenti dovuti per questo favore di che ne la prego ad indirizzarmi l'acclusa lettera al suo destino, e che spero d'esserne favorito. Ich danke Ihnen dafür und dafür, was Sie alles für mich getan haben, vorwegnehmend für diese Gunst, Sie zu bitten, mir den beiliegenden Brief an seine Zieladresse zu senden, und ich hoffe, davon begünstigt zu sein. (Anm.: Auch hier ist mir nicht klar, was genau gemeint ist.)
Mi rincresse, che l'avrò ad incommodarla qualche volta su questo proposito, ma le confesso schiettamente il vero, che altro appoggio non tengo se non nella S.V. Ich bedaure, dass ich Sie einige Male diesbezüglich belästige muss, aber ich gestehe ganz ehrlich die Wahrheit, dass ich keine andere Unterstützung außer der Ihrigen habe.
Io desidero su di lei che di tutta sua famiglia la salute, la pace, e la benedizione del cielo e a questo ogetto (Anm. muss wohl oggetto heißen) crederò sempre mio dovere di tenerla raccomandata a Dio. Egli mi esaudisca. Ich wünsche Ihnen und Ihrer ganzen Familie Gesundheit, Frieden und den Segen des Himmels und bei diesem Thema werde ich immer glauben, dass es meine Verpflichtung ist, Sie Gott empfohlen zu halten. Er möge mich erhören.
La pregherei di salutarmi il P. Vincenzo, e le dica che in Bagdat molti mi domandano di lui, e godono di sentire che egli sia ancora sano, esperto, e piene di vigore. Ich würde Sie bitten, mir Pater Vincenzo zu grüßen und ihm zu gen, dass mich viele in Bagdad nach ihm fragen und sich freuen, zu hören, dass er gesund, gewandt und kraftvoll ist.
I rispetti e dovuti ossequii pure al Superiore di Terra Santa. Respekt und tiefste Hochachtung auch an den Oberen des Heiligen Lands.
Gradisca infine la S.V. mentre pieno di stima, e riconoscenza in Dio. Mögen Sie schließlich meine volle Hochachtung entgegennehmen und Dankbarkeit gegen Gott.
Bagdat li 13 febraio 1849
Devotmo. ed Obbligat.mo Servo Ihr ergebenster und zu tiefstem Dank verpflichteter Diener
P.J. Dionisio di S. Martino Carmel. Scalzo Mission.o Apost.co
Seekadett endet mit tt, das sich auch in der Mitte des Namens findet, also vielleicht "Mötter", wenn man auch den Schnörkel ziemlich weit oben über dem o nicht vergisst.
Andererseits ist mir dieser Name noch nie begegnet, es könnte vielleicht auch ein schlecht geschriebenes Doppel-l sein, das ergäbe dann "Möller".
Nur eine Vermutung, passt das vielleicht?
Es könnte (mit hoher Wahrscheinlichkeit) Erwin von Möller (geboren am 9. Februar 1884) gewesen sein, der spätere Kapitänleutnant, der mit seiner Mannschaft am 11. Dezember 1914 (nach anderen Quellen 1915) aus der Internierung in Surabaya/Niederländisch-Indien geflohen war und versuchte, über den Orient in die Heimat zu gelangen. Von Möller und seine verwegene Truppe wurde am 26. Mai 1915 (nach anderen Quellen am 29. März 1916) durch Beduinen bei Dschidda ermordet. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde die Story sogar verfilmt. Dafür spräche, wenn der Beleg aus der Zeit um die Jahrhundertwende (also etwa 1902-1903) stammen würde, als er noch Kadett auf der Hertha war und dann eben vor Zanzibar lag. Seine Kadettenzeit endete spätestens mit seiner Beförderung zum Leutnant z. S. am 29.09.1905. Bereits am 30.03.1908 wurde er Oberleutnant z. S. Seine Beförderung vom zum Kapitänleutnant erfolgte am 22.03.1914. Schon im Dezember 1912 erhielt er das Kommando des Flusskanonenboots SMS Tsingtau, das er von bis 2. August 1914 innehatte. Die SMS Tsingtau wurde bei Kriegsbeginn in Kanton außer Dienst gestellt. Umgehend reiste er nach Hongkong per Bahn, von dort mit der Machew nach Manila und weiter nach Batavia. Bei dem Versuch, die SMS Emden mit dem Kohlendampfer Hoerde zu erreichen, wurden die geflohenen Teile seiner Männer im September 1914 durch die Niederlande interniert. Ihnen gelang jedoch im November 1915 (oder 1914?) die Flucht mit dem Schoner Marboek, den sie in "Weddingen" umbenannten und der unbehelligt über den Indischen Ozean segeln konnte. Nach 82 Tagen erreichte der Trupp am 3. März 1916 (oder 1915?) die arabische Küste nahe Sanaa und trat den Fußmarsch über Sanaa und Hodeida in Richtung der türkischen Stellungen an, wo sie sich Hilfe erhofften. Am 29. März wurden dann von Möller und seine Männer nördlich von Dschidda, das am 16. Mai erreicht wurde, von Arabern überfallen, wie erwähnt. Eine weitere Person dieser Abenteuer-Truppe war ein Offizier der SMS Offenbach, der am 5. Oktober 1891 in Steinbergholz geborenen Heinrich Mau, sowie die Seeleute Leutnant Hans Georg Hermann Eduard von Arnim (geb. am 08.09.1875 in Koblenz), der Vizesteuermann d. R. Heinrich Deike (geb. 05.06.1889 in Bremervörde), der Offizier der Handelsflotte Karl Rudolf Kurt Gründler (geb. 16.05.1885 in Berlin), der Steuermann Arthur Paulsen Schwarting (geb. 03.10.1885 in Elsfleth) und ein türkischer Schiffskoch namens Seid Achmed. Der Cousin von Erwin von Möller war übrigens der in Stuttgart bekannte U-Boot-Kommandant und spätere Kunstmaler Richard Eugen Scheurlen.
Wenn man die Geschichte der SMS Hertha betrachtet, dann kommen für den Stations- und Absendeort Zanzibar eigentlich nur 2 kurze Zeiträume in Betracht, den einen ca. Ende April/Anfang Mai 1899 auf dem Weg der Ausreise zum Dienst im Ostasien-Geschwader und den zweiten bei der Rückkehr aus diesem Dienst ca. Jan.-März 1905, als sie Dar-es-Salaam anlief. Im April 1905 war sie bereits wieder im Mittelmeer und wurde später zu einem Schulschiff umdisponiert. Zwischen Mai 1899 und 31.12.1904 war die Hertha ununterbrochen im Ostasien-Geschwader tätig, darunter auch beim Boxerkrieg. Ab 1905 befand sie sich vorwiegend im Mittelmeer, im Nordmeer, der Ostsee und auf einer Reise in die Karibik. 1914 war die SMS Hertha das letzte deutsche Kriegsschiff, das in Friedenszeiten vor dem Ersten Weltkrieg einen britischen Hafen anlief, nämlich Edinburgh bis zum 25. Juni 1914. Deshalb ist zu vermuten, von Möller befand sich entweder April/Mai 1899 oder aber Jan./Feb. 1905 in Zanzibar. Beides könnte vom Dienstalter her in seine Kadettenzeit gefallen sein. Ich tippe intuitiv auf 1905.
Herzliche Grüße
W.
Zuletzt geändert von Welwitsch; 30.01.2020, 11:41.
@Welwitsch - Nein, das dürfte leider nicht Erwin von Möller gewesen sein. Der Absender befindet sich auf einem Brief aus Zanzibar vom 1.6.1882, also ca. 1 1/2 vor seiner Geburt.
Die SMS Hertha war im Juni 1882 aus Ostasien kommend auf Besuch beim Sultan und fuhr von da dann nach Westafrika. Es handelt sich auch um das Vorgängerschiff gleichen Namens und nicht um die von Dir gemeinte SMS Hertha (II).
Kommentar